Marlene Schönberger, seit 2021 Mitglied des Deutschen Bundestages für Bündnis 90/ Die Grünen, sprach vergangenen Donnerstag zum Thema „Verschwörungsideologien – eine Bedrohung für unsere Demokratie“ in Deggendorf. Die studierte Politikwissenschaftlerin hat sich über Jahre hinweg intensiv mit den Themen Antisemitismus und Verschwörungstheorien beschäftigt. Mittlerweile hat sie ihre Dissertation abgegeben. Sie erzählte von den mahnenden Worten ihres Professors zu Beginn ihrer Arbeit: „Wenn Sie sich so intensiv mit Verschwörungsideologien beschäftigen, glauben Sie am Ende selbst daran.“ Denn, so MdB Schönberger, Verschwörungsideologien seien attraktiv. Besonders in Kriegs- und Krisenzeiten, in denen Menschen verunsichert und ängstlich sind, viele unter Orientierungslosigkeit oder gefühltem Kontrollverlust leiden, würden Verschwörungserzählungen leicht auf fruchtbaren Boden fallen. Sie hätten einfache Erklärungen für komplexe Zusammenhänge und würden von eigener Verantwortung entlasten, da eine höhere Macht vermeintlich die Fäden in der Hand halte. Zu guter Letzt entstehe so ein Gemeinschaftsgefühl mit allen, die von der Erzählung überzeugt seien. Bedrohlich werde es, wenn Verschwörungstheorien von politischen Akteuren bewusst eingesetzt würden, um Macht zu erlangen oder zu festigen. Als aktuelles Beispiel nennt die Referentin die MAGA-Bewegung in den USA. Weltweit werde so von populistischen Parteien das Vertrauen in demokratische Institutionen, wie Parlamente, Medien und Justiz, aber auch in die Wissenschaft zerstört. Informationen finden nur noch in der eigenen Blase statt, wodurch Überzeugungen permanent verstärkt würden. Am Ende könne es zu erhöhter Gewaltbereitschaft bis hin zu Gewaltexzessen kommen, wie beim Sturm auf das Kapitol.
Menschen aus dieser Ideologie herauszuholen, sei extrem schwierig. Die meisten Chancen dafür bestünden laut MdB Schönberger bei einem frühen Interagieren und einer engen emotionalen Bindung. Statt mit Fakten und Zahlen zu argumentieren, solle man besser gezielte Fragen stellen wie: „Woher hast Du diese Information?“ „Wieso vertraust Du dieser Quelle mehr als z.B. den Nachrichten im Fernsehen?“ „Was hätten die Verschwörer davon?“ Alles, was zum kritischen Nachdenken anregen könne, sei zielführend.

Auf die Frage nach der Rolle der Religionen in diesem Zusammenhang erwiderte Marlene Schönberger, dass Religionen die Neigung zu Verschwörungsideologien wohl eher verhinderten. Gläubige Menschen glaubten bereits an eine höhere, alles steuernde Macht. Am Ende der sehr gut besuchten Veranstaltung kam es zu einer regen Diskussion unter den Zuhörenden und MdB Marlene Schönberger beantwortete viele Fragen aus politikwissenschaftlicher Sicht.

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