Igel-Schutz: Zwischen praktischer Hilfe und politischen Hürden

Besucher*innen lauschen den Ausführungen von Barbara Niemann beim Vortrag zum Igelschutz

In einem gemeinsamen Vortragsabend im Gasthof Goldener Engel haben Barbara Niemann, Gründerin und Vorsitzende des lokalen Igelschutzvereins, sowie Mia Goller (MdL) auf die prekäre Lage der Igel hingewiesen. Im Zentrum des Abends stand die Frage, wie der Schutz dieser nützlichen Tiere im Alltag und in der Politik besser verankert werden kann.

Barbara Niemann eröffnete den Abend mit einer mahnenden Zeitreise: Der Igel zählt zu den ältesten Säugetieren der Welt und hat über 65 Millionen Jahre überstanden. Doch während die Art Millionen von Jahren überdauerte, droht sie nun durch menschliches Handeln und die Zerstörung ihrer Lebensräume gefährdet zu werden. Als große Probleme in modernen Siedlungen nannte Niemann die fehlende Naturnähe und das „Abriegeln“ von Gärten. Damit Igel wandern und Nahrung finden können, seien Löcher in Zäunen sowie Hecken und Laubhaufen als Rückzugsorte essenziell. Zudem appellierte sie an die Gartenbesitzer, beim Frühjahrsputz geduldig zu sein und länger zu warten, um mögliche Winterstätten der Tiere nicht vorzeitig zu zerstören.

Des Weiteren räumte Niemann mit hartnäckigen Mythen auf: Entgegen häufiger Literaturangaben stünden Äpfel und Schnecken nicht auf dem Speiseplan von Igeln. Für eine gesunde Entwicklung benötigten die Tiere stattdessen hochwertige fleischliche Nahrung. Da Igel nachtaktiv sind, benötigen Tiere, die tagsüber unterwegs sind, fast immer Hilfe, auch wenn es auf den ersten Blick nicht sichtbar ist.

Die politische Dimension des Artenschutzes beleuchtete Mia Goller, die sich bei dem Anlass als „Sprecherin für Landwirtschaft und Wald – und Igel – im Bayerischen Landtag“ vorstellte. Sie berichtete von den erheblichen Widerständen der regierenden Parteien bei der Umsetzung von Schutzmaßnahmen. Ein zentraler Streitpunkt ist das geforderte Nachtfahrverbot für Mäh-Roboter, das im Landtag wiederholt abgelehnt wurde. Goller wies darauf hin, dass der nächtliche Betrieb bereits nach §1 des Tierschutzgesetzes problematisch ist, da niemand einem Tier schaden darf – eine Bestimmung, die beim Einsatz von Mäh-Robotern in der Nacht faktisch nicht garantiert werden könne.

Der Abend verdeutlichte, dass Artenschutz sowohl bei den Behörden als auch im eigenen Garten beginnt. Neben der politischen Forderung nach strengeren Regeln für Gartenmaschinen ist die praktische Unterstützung vor Ort entscheidend.

Um die Überlebenschancen der Tiere zu erhöhen, ist der lokale Igelverein auf Hilfe angewiesen. Aktuell werden dringend freiwillige Unterstützer gesucht, die beim Auswildern der aufgepäppelten Igel helfen, damit diese sicher in ihre natürlichen Lebensräume zurückkehren können. Interessierte können sich unter igelrettung-deggendorf.de informieren und melden.

Artikel kommentieren

Artikel kommentieren

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert. Mit der Nutzung dieses Formulars erklärst du dich mit der Speicherung und Verarbeitung deiner Daten durch diese Website einverstanden. Entnimm Weiteres bitte der Datenschutzerklärung.

Datenschutz-Übersicht

Diese Website verwendet Cookies, damit wir dir die bestmögliche Benutzererfahrung bieten können. Cookie-Informationen werden in deinem Browser gespeichert und führen Funktionen aus, wie das Wiedererkennen von dir, wenn du auf unsere Website zurückkehrst, und hilft unserem Team zu verstehen, welche Abschnitte der Website für dich am interessantesten und nützlichsten sind.